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Die Geschichte der Ort Neukirchen und Steinbach ist geprägt von Landwirtschaft, fleißigen Handwerkern, rührigen Bürgern und begabten Künstlern. Tauche ein in die Entstehung und Entwicklung unserer Heimat, lerne wichtige Persönlichkeiten kennen und begleite uns, von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Ort mit Tradtion.
Entdecke unsere bewegte Geschichte!

Durch unsere Vorfahren sind wir mit der Vergangenheit verwandt und seit Jahrhunderten verschwistert und verschwägert und eines Tages werden wir selber Vorfahren sein. Für Menschen, die heute noch nicht geboren und trotzdem schon mit uns verwandt sind.

Erich Kästner

 

Neukirchen gehört zur Kategorie der Waldhufendörfer. Als charakteristische Dorfform des Erzgebirgsvorlandes zieht es sich entlang des Dorfbaches in zwei Reihen hin, wobei zwischen den Bauernstellen ein größerer Abstand gewahrt wurde. Diese Gestalt wird ebenfalls „Reihendorf“ genannt. Am Südende des Dorfes befindet sich eine Quelle, aus welcher dieser Dorfbach hervorgeht. Das Dorf Neukirchen liegt dicht an der Westgrenze des Wilsdruffer Landes.

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Seit 1952 gehört es zum Kreis Freiberg, vorher zur Amtshauptmannschaft Meißen. Der Ort zieht sich in etwa 5 km Länge von der Rothschönberger Flur im Unterdorfe, S-förmig bis zur Dittmannsdorfer Flur im Oberdorf hin. Der Höhenunterschied vom Niederdorfe bis zu Haasens Kuppe, dem höchsten Punkt mit 365 m NN, beträgt 74 m. Von hier oben genießt man eine Fernsicht, die der des Landberges bei Mohorn gleicht.

 

Der Ortsname ist zweifellos von der Kultstätte (Kirche) abgeleitet, obgleich hierüber Urkunden fehlen. Man kann annehmen, dass die Kirche die erste im Bischofsbezirk war oder aber, dass sie die neue Kirche zur Zeit ihres Baues von bereits vorhandenen gewesen ist. Das Dorf selbst wird aber vermutlich schon vor dem Kirchenbau bestanden haben. Es ist eine Gründung von den im 12. und 13. Jahrhunderte herbeigerufenen deutschen Kolonisten. Hierauf weist schon die Dorfform, also das Reihendorf mit Waldhufen, sowie die Anlage der Fluren hin. Am Turmhause der Kirche sollen die Jahreszahlen 1197 und 1218 gestanden haben. Verbrieft ist eine Erwähnung des Ortes von 1317 und zwar als Newen-kirchin infra Vriberch (d.h. unterhalb Freibergs), 1378 Nuwenkirchen.1403 wird Neukirchen in Verbindung mit einem Besitzer des Rittergutes genannt und zwar heißt es da: Fredrich von Bore czu Nuenkirche gesessin. 1495 schrieb man: Newkirch und 1540 Neukirche.

Weitere Details zur Namensgebung sind auch unter „Station 11- Kirche und Pfarrhaus“ zu finden.

 

Die Grundstücke der Häuser umfassten nur ein kleines Stück Land für das Haus, dass meist nur eine kleine Hütte mit wenig Platz für die Bewohner und einem kleinen Garten war. Diese Flächen lagen im Gebiet der Hufenbesitzer. Die sogenannten Häusler waren meist als Tagelöhner auf dem Rittergut oder bei den Bauern in Neukirchen und der Umgebung tätig.

 

Die alte „Salzstraße“, die von Deutschenbora über Hirschfeld, Neukirchen und Dittmannsdorf nach Freiberg führte, verlief längs durch Neukirchen. Die Straße war im Besitz des Freiberger Rates und hatte eine Zollstelle in Neukirchen. Im Jahr 1855 wurde die Straße zur Kommunenstraße, und die Gemeinde Neukirchen übernahm deren Unterhaltung gegen eine Entschädigung von 3000 Talern.

 

Über die „alte Silberstraße“, welche von Munzig über das Kalkwerk Groitzsch, Tanneberg, an der Neukirchner Kirche und den oberen Gasthof vorbei, weiter über Niederdittmannsdorf, den Grünen Wolf, Krummenhennersdorf bis nach Halsbrücke führte, wurde das in Munzig geschürfte Silbererz verhüttet. Das Munziger Erz musste zeitweise auf der Scharfenberg-Freiberger Silberstr. mit Fuhrwerk nach Halsbrücke gebracht werden, später direkt auf der anfangs erwähnten alten Silberstraße. Da die Beschaffenheit des Weges sehr schlecht war, konnten nur 10 Zentner geladen werden. Diese Straße verläuft schräg über die alten Hufenstreifen der Bauerngüter und ist somit erst nach der Gründung von Neukirchen angelegt worden.

 

Der Anbau im Niederdorfe ist  im Jahre 1833 durch Aufgliederung des Hömschen Gutes (später Neuber Kurt, heute nicht mehr vorhanden), entstanden. Durch diese Abtrennung entstanden 8 Häusleranwesen, die als der Neue Anbau zur Herrschaft Rothschönberg gehörten.

 

Die Fasanenhäuser und der Fasanenteich westlich des Niederdorfes haben ihren Namen von den dort früher gehegten Fasanen erhalten. Heute trifft man dort keine Fasanen mehr an. Bei den Fasanenhäusern lag auch das Streitholz, ein kleines zum Rittergut gehörendes Wäldchen. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Es wurde abgeholzt. Um dieses Gehölz soll sich der Rittergutsbesitzer von Neukirchen und Reinsberg einst gestritten haben. Auf dem nahen Vorwerk Friedland sei dann der Streit beigelegt worden. Ob´s stimmt, weiß man nicht. Das Tännicht, ein Waldstück welches zum Rittergut Rothschönberg gehörte und bis an den Anbau im Niederdorf grenzte, wurde nach 1945 zum größte Teil abgeschlagen und zu Feld gemacht. Übriggeblieben ist nur noch ein kläglicher Rest von diesem einst schönen Fichtenwald.

 

Die Neukirchner Bauern standen mehr oder weniger gut da. Groß waren die meisten ihrer Güter. Einige wirkten wie Burgen auf den Anhöhen beiderseitig der Dorfstrasse. Die Bauern selbst traten selbstbewusst auf. Später fuhren sie mit eigenen Autos, hatten Telefon, gaben Gesellschaften und besuchten in bestimmten Abständen die Theater in der Stadt. Sie hatten sich ihre eigene, kleine Welt geschaffen, denn im Dorfe war so gut wie nichts los. Höchstens einmal im Jahre ein Militärvereins oder Gesangvereinsvergnügen oder das altherkömmliche Gemeindebier. Die Jugend hatte ihren Kasinoverein, dem aber nur die Söhne und Töchter der Bauern angehören durften. Das Gesinde hatte keinen Zutritt. Im Winter besuchten die Söhne der größten Bauern die landwirtschaftliche Schule in Freiberg und die Töchter kamen für einige Monate in ein Pansionat, wo sie etwas Benehmen und Bildung beigebracht bekamen.

 

1900 hatte Neukirchen mit Steinbach zusammen, welches kirchlich und schulisch zu Neukirchen gehört, 977 Einwohner, bei 229 Haushaltungen. Neukirchen hatte allein 824 Einwohner bei 189 Haushaltungen. Steinbach hatte 153 Einwohner und 40 Haushaltungen. Seit 1950 ist Steinbach Neukirchen einverleibt worden. Die Schulkinder von Steinbach  hatten also einen fast 3 km langen Schulweg täglich zweimal zurückzulegen. Auch die Leichen mussten auf den Friedhof nach Neukirchen gebracht werden und daran hat sich nichts geändert. denn Steinbach hat keinen eigenen Friedhof.

 

Die neue Schule in Neukirchen ist 1876 mit einem Kostenaufwand von 27.000 Mark gebaut worden. Die erste Schule vorm Eingang zum Friedhof wurde Tischlerei und später ein reines Wohnhaus.

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Alte Bilder, Postkarten und Erinnerungsstücke gesucht!

Haben Sie noch alte Fotos, Postkarten, Texte, Videos oder andere Erinnerungsstücke aus Neukirchen und Steinbach? Dann teilen Sie sie mit uns und helfen Sie, unsere Ortsgeschichte lebendig zu halten. Schicken Sie Ihre Schätze gern als Foto oder Video an unseren Ortschronisten Rico Dienel unter rico.dienel@neukirchen-steinbach.de. Nach vorheriger Abstimmung ist auch eine persönliche Einsichtnahme möglich.

Jede Erinnerung zählt – helfen Sie mit, Geschichte zu bewahren!

Das Neukirchner Gotteshaus kann auf ein ehrwürdiges Alter von über  800 Jahre zurückblicken, nach den heute leider nicht mehr vorhandenen Jahreszahlen 1197 und 1218 am Turmhause zu schließen, dem ältesten Teile der Kirche. Die Kirche war ursprünglich eine Wehrkirche, die Schießscharten am Turmhause geben heute noch Zeugnis davon, denn die Zeiten waren damals unsicher und sowohl die Burgen und Herrenhäuser, als auch die Kirchen mussten wehrhaft sein.

Der Turm ist ein sogenannter Chorturm. Der romanische Turm sitzt über dem Chor. Auch die Glocken im Turme sind sehr alt. Auf der großen und mittleren Glocke steht die Jahreszahl m° cccc° 1xxx iii° Etwa 1450 ist nach Osten zu die Apsis an das Turmhaus gesetzt worden, die später als Erbbegräbnis für die Neukirchner Patronatsherrschaft ausgebaut worden ist. 1890 fand man bei Restaurierungsarbeiten an der Decke dieses Raumes ein Gemälde, Jesus und die 12 Apostel darstellend. Es ist noch zu sehen.

 

1695 ist durch einen Um- und  Anbau des Schiffes ein Gotteshaus in Barockstil entstanden. Die wundervolle Stuckdecke wurde dabei von einem Italiener ausgeführt. Ein Teil der Dorfbewohner war gegen den Umbau der alten Kirche. Er trat für den Bau einer ganz neuen Kirche auf Reichens Kuppe (heute Ölschlegel )ein. Der andere Teil befürwortete den Umbau der alten Kirche, er trug dann auch den Sieg davon.

 

Die 1889 beseitigte Orgel war ein Geschenk des Kurfürsten Johann Georg IV., der schon als Prinz mit seinem Bruder, dem nachmaligen Kurfürsten, August den Starken öfter auf dem Gute in Neukirchen gewesen ist. An der neuen Orgel von H. Eule, Bautzen ist das Sächsische Wappen von der alter Orgel mit den Initialen J.G. IV. wieder mit angebracht worden. 1740 ließ General von Mörner an der Kanzelseite, wo erst der Beichtstuhl stand das Epitaphium anbringen, eine kostbare Bildhauerarbeit, Ritter und Tod darstellend. Auch das eiserne Altargitter stammt von 1740. 1842 wurde Neukirchen zu der Ephorie Freiberg geschlagen. Vorher war es bei Meißen. 1879 kam es jedoch wieder zu Meißen zurück. Am 6.11.1933 fand die Weihe der erneuerten Kirche statt. Sie hatte ein volles Jahr Zeit in Anspruch genommen und stand unter der Leitung von Fritz Steudtner, Dresden. Die Weihe nahm der Landesbischof Coch vor, die Festpredigt hielt der Superintendent Böhme, Meißen. Anschließend an diese Feier wurde auch die neue Friedhofskapelle an der Kirchhofsmauer ihrer Bestimmung übergeben. Zu der Kirchenerneuerung sei noch hinzugefügt, dass die Restaurierung des Kircheninneren in künstlerischer Hinsicht in den Händen zweier Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalspflege lag. Im Zuge der Erneuerung ist auch der äußere Putz des Turmhauses entfernt worden, so dass der ehemalige Wehrturm-Charakter wieder in Erscheinung tritt. Der Turm wurde ebenfalls neu mit Schiefer eingedeckt und im Kircheninneren ist die zweite Empore entfernt worden. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass die Gotteshausweihe von dem Krönertschen Posaunenchor, Dresden umrahmt wurde. Krönert ist ein Neukirchner Kind. Er stammt aus dem ehemaligen Lawendschen Gasthaus auf dem Anbau.

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Die Neukirchner Kirche ist auch in geschichtlicher Hinsicht bemerkenswert. Seit altersher ging im Dorfe das Gerücht um, dass der Ritter Kunz von Kauffungen in ihr begraben liegen soll, der am 9.7.1455 aus dem Schlosse Altenburg die Prinzen Ernst und Albert entführt hat und am 14.7.1455 auf dem Markt-platze zu Freiberg enthauptet wurde. Etwas Bestimmtes hierüber aber wusste man nicht. Inzwischen ist der Fall einwandfrei geklärt worden. Kunz von Kauffungen ist tatsächlich in unserer Kirche bestattet worden. Nach der Hinrichtung ließ ihn sein Onkel, Kaspar von Schönberg, der Bischof zu Meißen war, in der Petrikirche zu Freiberg ritterlich beisetzen. In der Chronik des Klosters zu Altenzella steht hierüber: "Da bestallt der Bischof von Meißen, dass man yn auf eyne Bahr legte und ein gulden Stück auflegte und ließ yn in die Kirchen begraben. Auf Befehl des Kurfürsten musste aber die Leiche wieder aus der Kirche entfernt werden. Daraufhin ließ ihn der Bischof von Meißen mit Prunk und Ritterehren in der Neukirchner Kirche unter dem Altar des alten Kirchenteiles beisetzen. Neukirchen war von Schönbergs bischöflicher Rittersitz. Im Totenregister des Neukirchner Kirchenbuches von 1853 steht, dass am 27. Juli 1690 Adam Siegfried von Moßdorff auf Steinbach in Kunz von Kauffungens Grab gelegt ward. Auch die Anschuldigung, dass er ein schlechter Mensch gewesen sei ist eine gemeine Verleumdung, denn seine Tat geschah nicht aus verwerflichen Motiven, sondern damit Gerechtigkeit von seinem Landesherrn für ihm an-getanes Unrecht zu erzwingen. Monarchistisches Denken aber hat ihn zu einem Räuber gestempelt. Nicht der Ritter war schlecht, sondern sein Fürst, der ihn erst zu der begangenen Tat getrieben hat. Eine Aufklärung über den wahren Sachverhalt ist nie unter das Volk gekommen. Zu der Verächtlichmachung des Ritters trug auch das Puppenspiel wesentlich mit bei. Der " Sächsische Prinzenraub " gehörte seit alten Zeiten zum Spielplan eines jeden Marionettentheaters, welcher auch immer wieder im Neukirchner Gasthof aufgeführt wurde. Das Puppenspiel stellte Kunz von Kauffungen als einen ganz gemeinen und niederträchtigen Verbrecher hin, was er aber in Wirklichkeit beileibe nicht war. Der Sohn des ehemaligen Neukirchner Pastors Johannes Reichel, der Dichter und Schauspieler, Hellmuth Reichel aus Leipzig, hat dies auf Grund eines eingehenden Aktenstudiums in den Archiven zu Dresden und Leipzig in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht

 

Krieg im Lande!

Abgesehen von den Geräuschen welche die Berufsarbeit des Bauern begleiten, herrschte sonn und wochentags tiefer Frieden über Dorf und Flur. Kein Laut der großen Welt drang bis in die Abgelegenheit unseres Dorfes. Aber es war nicht immer so. Es hat auch Zeiten gegeben, wo die Hufe der Rosse und die Stiefel der Kriegsvölker unsere Fluren zerstampft haben, wo Kriegslärm, der Donner der Geschütze und das Geknatter der Gewehrsalven die Stille des Dorfes durchbrach und wo so mancher brave Soldat die Ackererde mit seinem Blute rot färbte, denn Neukirchen ist von keinem der großen Kriege verschont geblieben. Im Dreißigjährigen Kriege hatte General Matthias Galas im Oktober 1632 in Neukirchen sein Hauptquartier aufgeschlagen und nach 1635 litten die Einwohner schwer unter den Plünderungen und Verwüstungen der Schweden.

 

Im Siebenjährigen Kriege lag 1756 Friedrich der Große bei Rothschönberg in Quartier. Nach dem Verlust Dresdens und der Niederlage bei Kunnersdorf mußte er Sachsen wieder verlassen. Ob damals schon Neukirchen von dem Kriegsgeschehen betroffen worden ist, kann nicht gesagt werden. Es sollte aber noch werden, denn 1759 rückten überraschend in Eilmärschen die preußischen Generale Fink und Wunsch von Norden kommend in Richtung Nossen vor, besetzten die Stadt und bezogen bei den Katzenhäusern Stellung. Des Königs Hauptquartier war in Krögis. Am 15.9.1759 kamen zum Fouragieren 3 Regimenter Preußen nach Neukirchen. Die Einwohner mussten Lebensmittel und Futter für die Pferde liefern. Wahrscheinlich war man hiervon nicht sehr erbaut, die Bevölkerung musste sich aber fügen, denn Sachsen stand auf der Seite der Österreicher und nicht auf der der Preußen. Die Preußen sollten sich aber nicht lange der Ruhe freuen können, denn aus Richtung Blankenstein rückten die Österreicher mit 60.000 Mann heran und stürmten die Stellung bei den Katzenhäusern in der Linie Neukirchen Rothschönberg. Das Hauptquartier der Österreicher war in Neukirchen. Neukirchen war also Kriegeschauplatz mit allen Leiden und Drangsalen für die Einwohner, die damit verbunden waren. General Fink wich dem Feinde aus. Nach weiteren Kämpfen zwischen Nossen und Meißen zog sich kampfesmüde das österreichische Heer zurück. Um ihm den Weg nach Böhmen zu verlegen, erhielt General Fink den Befehl es in Richtung Pirna zu verfolgen und zwar in der Marschrute Reinsberg, Dittmannsdorf, Neukirchen, Steinbach, Dresden, Dippoldiswalde, Pirna. Bei Maxen, nahe Pirna, wurde General Fink gefangen genommen. In wechselnden Kampfhandlungen war Neukirchen mehr als einmal Mittelpunkt des Geschehens und es war keine Seltenheit, dass es bald von den Preußen, bald von den Osterreichern besetzt war oder das im Oberdorf österreichische und im Niederdorf preußische Vorposten lagen. Noch mehr aber als in den vorhergehenden Kriegen, hatte Neukirchen in dem Napoleonischen Kriege auszustehen.1806 kämpfte Sachsen in der Schlacht bei Jena auf der Seite Preußens. In Neukirchen waren bayrische Truppen einquartiert. Bayern war damals noch mit Napoleon verbündet. Nach den Berichten aus jener Zeit, sollen sich die bayrischen Soldaten ziemlich herausfordernd und anmaßend aufgeführt haben. Nichts sei ihnen gut genug gewesen. Es kam daher oft zu Streitigkeiten, ja sogar zu Prügeleien mit den Quartierwirten. Am 11.12.1806 trat der sächs. Kurfürst zu Napoleon über. 1807 wurde Friedrich August III., König von Napoleons Gnaden.

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Am 1.7.1809 marschierte die Garde Hyronimus Napoleons I., König der Westfalen, nahe an Neukirchen vorbei und dann weiter über Tanneberg nach Dresden. 1809 strömten die sächsischen Truppen nach der Einnahme Dresdens durch die Österreicher kämpfend über Wilsdruff nach Nossen zurück, wobei die nach Neukirchen eingepfarrte Mühle im Triebischtale vollkommen ausgeplündert wurde. 

 

1812 erfolgten ununterbrochen Durchmärsche französischer Truppen durch die Dörfer auf ihrem Wege nach Rußland. Während der Flucht der Franzosen aus Rußland 1813 hatte Neukirchen und die umliegenden Dörfer unter den langanhaltenden Einquartierungen und Plünderungen unerträglich zu leiden, so dass von Dresden aus eine Bürgersauvegarde nach Neukirchen gelegt werden musste, um den dauernden Plünderungen Einhalt zu gebieten. Auch General v. Gersdorf, der Besitzer des Neukirchner Rittergutes, sandte einige sächsische Kavalleristen zum Schutz der Einwohner nach Neukirchen. Im April 1813 quartierten Preußen und Russen auf ihren Durchmärschen in Neukirchen. Nach ihrer Niederlage in der Schlacht bei Lützen kamen die Russen auf ihrer Flucht im Mai erneut durch Neukirchen, gefolgt von den Franzosen. Zwischen Neukirchen und Tanneberg hatten die Franzosen ein großes Lager bezogen. Von hier aus kamen ganze Trupps Franzosen in die Dörfer plündern. Der Pfarrer von Neukirchen wurde so gar gezwungen an den Plünderungen bei den Bauern teilzunehmen. Napoleon quartierte im Nossener Schloss. Am 11. und 12. Oktober 1813 wurde Napoleon dann endgültig in der Schlacht bei Leipzig geschlagen und aus Deutschland vertrieben. Die Sachsen traten während der Völkerschlacht zu den Verbündeten über. Auch der Sohn des Huf und Waffenschmiedes Edel aus Neukirchen hat als Kriegsfreiwilliger an den Napoleonischen Kriegen teilgenommen. 1818 kam er als Tierarzt zurück und übernahm die elterliche Schmiede, neben dem oberen Gasthof.

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1866 kamen Preußen auf ihrem Feldzuge gegen Österreich durch Neukirchen, ebenfalls wieder auf dem Heimwege. Sachsen stand damals erneut auf der Seite Österreichs. Erst 1870 hatte es sich endgültig für Preußen entschieden. 1870/71 sind auch einige Neukirchner Einwohner in Frankreich gefallen. Zu ihrer Ehrung ist der Denkstein am Fuße des Kirchberges errichtet worden

Im 1. Weltkriege sind eine ganze Anzahl junge Menschen gefallen. Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal auf dem Friedhof. Die Folgen des verlorenen 2. Weltkrieges haben die Älteren unter uns zum Teil noch in Erinnerung. Auch Neukirchen hat sie zu spüren bekommen. Unsere Jugend kennt diese böse Zeit nur vom Hörensagen. Möge sie vor einem neuen Kriege verschont bleiben!

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